30 Jahre ANW-Sachsen – 30+ Jahre Waldumbau in Gelenau

Die Geburtstagsexkursion zum 30-jährigen Jubiläum der ANW-Landesgruppe Sachsen führte in das Staatsforstrevier Gelenau im Forstbezirk Neudorf, welches seit über 30 Jahren im Zeichen des Waldumbaus bewirtschaftet wird. Am ersten Exkursionspunkt gaben Leiter Staatsforstbetrieb Johannes Riedel und Revierleiter Tobias Hamm mit Vorfreude zunächst eine waldbauliche Einführung in das 1500 ha große Gelenauer Revier, welches auf einer Höhenlage zwischen 420 bis 660 m ü.NN die mittleren feuchten Berglagen des Erzgebirges repräsentiert (Jahrestemperatur zwischen 6,5-7,7 °C; Niederschläge in der Vegetationszeit 420-460 mm). Gleichermaßen durchschnittlich zeigt sich die Bodenausstattung zwischen überwiegend speicherfrischen Braunerden und Humusstaugleyen mittlerer Nährstoffversorgung, welche jedoch umso mehr das Waldumbaupotential – weg von den bisher noch 80 % Fichte im Oberstand bei Vorräten um die 450 VFm/ha – unterstreicht.

Für die favorisierte Waldumbauart Weißtanne wurde am zweiten Exkursionspunkt ein 27-jähriger Herkunftsversuch begutachtet. Hier wurden sächsische mit vielfältigen anderen Provenienzen aus Südost verglichen. Besonders vor dem Hintergrund des aktuellen Waldschadgeschehens zeigten genetisch vielfältige Herkünft neben höheren Zuwächsen auch eine zurzeit bedeutsamere größere Robustheit gegenüber Schaderregern wie der Tannentrieblaus (Dreyfusia nordmanniana).

Auf die Weißtanne eingestimmt wurde nachfolgend die initiale Phase des Waldumbaus in einem 65-jährigen Fichtenbestand mit beigemischten Lärchen erörtert. Zeitlich gut getimte kleinflächige Voranbauten von Tanne und Buche, die Standortsunterschiede kompensieren, und Freistellungen der Mischbaumarten bei gleichzeitiger Überarbeitung der Feinerschließung boten wenig Rahmen für Zweifel beim Auditorium. Aufgrund der ersten Käferhiebe über den Voranbauten wurde deutlich, dass der zügiger Waldumbau mit bisher 200 ha in den letzten 26 Jahren (Tendenz steigend: 26 ha/Jahr 2019) das Revier Gelenau für eine ungewisse Zukunft gut vorbereitet.

Im Falle von Schadereignissen wurde an Station vier die schonende Kulturpflege mit einem Brombeerrechen praktisch demonstriert. Wesentliche Vorteile bestehen hier in

  • reduzierten Wiederaustrieben der Brombeere
  • einer anhaltenenden Bodenbeschattung
  • dem Fehlen von Lärm und Emissionen
  • höheren Geschwindigkeiten in der Pflege
  • weniger Verlusten in der Kultur
  • Erhalt des Mischbaumartenpotentials
  • u.v.m.

Mit aussagekräftigen Grafiken vorbereitet konnte an Exkursionspunkt fünf die Jagd als Schlüsselinstrument des Waldumbaus erfahren werden. Getreu dem Motto:

„Jagd beginnt im Kopf“

Tobias Hamm, Revierleiter in Gelenau

herrscht im Gelenauer Revier unter der Jägerschaft Wohlfühlatmosphäre durch gemeinschaftliche Pirschbezirke und Anpackaktionen, die sich in steigenden Streckenergebnissen zwischen 13-14 Rehen/100 ha und unverbissenen Tannen wiederspiegelt.

Nach einer kurzen Getränkepause konnte die fortgeschrittene Phase des Waldumbaus mit qualitativ hochwertigsten Rotbuchen-Voranbauten unter rund 100-jährigen Fichten bestaunt werden. So war auch der ehemalige Revierförster Uwe Ullrich vor Ort und konnte einen Einblick in die damaligen Umstände geben. Es folgte eine angeregte Diskussion über Entnahmedringlichkeit einzelnder Fichten in konkret diesem Bestand.

Es folgte ein Exkursionspunkt eines pflegebedürftigen Bergahorn-Gerten- bis Baumholz, welches die Wertholzoptionen im Revier offenbarte. Abgerundet wurde die bisher schon eindrucksvolle Exkursion mit einem spannenden weißtannelastigen Bestand, in welchem die erstrebenswerte biologische Automation unter anderem in Form von reichhaltiger Naturverjüngung bereits voll im Gange war.

Wir danken Johannes Riedel und Tobias Hamm für die anschauliche Exkursion, die wie so oft zeigt, wieviel durch genaues Beobachten und mutiges Handeln in wenigen Jahren verändert werden kann, und freuen uns auf mindestens weitere 30 Jahre Waldumbau in Gelenau.

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